27 Februar 2012

Gerne mal wieder

Am letzten Samstag war nach langer Abstinenz Kultur angesagt.


SAMPLED IDENTITY - eine Musik-Tanz-Theater-Produktion der HipHop Academy Hamburg und des Ensemble Resonanz in Kooperation mit Kampnagel und den KunstFestSpielen Herrenhausen, dargeboten Auf Kampnagel in Hamburg.

Eintritt nur 30 Euro dank freundlicher Unterstützung von:

hamburgische kulturstiftung
JCDecaux
Hamburg | Kulturbehörde
factordesign
OTTO WULFF – BAUUNTERNEHMUNG
KPH Kultur Palast Hamburg
KUNST FEST SPIELE HERRENHAUSEN
Hamburg Bezirksversammlung Hamburg Mitte
DER SPIEGEL
fotografie: PETER BAUER
Jovita Kinder- und Jugendstiftung
Gabriele Fink Stiftung
SZENE HAMBURG
[k] Kampnagel

Kampnagel, ein ehemaliger, nüchterner Industriebau, gleichwohl eine Location mit einem gewissen Flair.


Angesetzter Beginn der Veranstaltung war 20:00 Uhr, doch der Einlass erfolgte erst um 20:20 Uhr. Danach alsbald Beginn der Aufführung.

Große Halle, angenehm temperiert. Nummerierte Sitzplätze und so kein Gedränge. Steil ansteigende Tribüne mit guter Sicht auf die Bühne. Allerdings erfordert die dichte Anordnung der Bestuhlung ein starres Sitzen, da rundherum enger Körperkontakt zu den Nachbarn.
Großzügige, ebenerdige Bühne und schlichtes, in der Mitte variables Bühnenbild. Die Requisite, unaufdringlich, passend – alles sehr schön. Licht und Sound einwandfrei. Gut, etwas mehr Druck bei den Musikparts hätte vielleicht nicht geschadet.

Und die Inszenierung? Na ja.

Es werden alle Zutaten verwendet, nahezu alle dramaturgischen Register gezogen.

Zur Illustration einige Beispiele:
Der Klangkörper betritt mit lustigen Pudelmützen die Bühne, musiziert, einige Musiker verfallen in spastische Verrenkungen, breakdancen am Ende.
Stühle werden durch die Gegend geschleudert, eine Guarneri auf dem Boden zertrümmert.
Ein Subkultureller entsteigt einem Müllcontainer, ein anderer steckt seinen Kopf in einen Fotokopierer.
Schattenspiele, Overheadprojektionen.
Es wird gegeigt und getanzt, gerappt und gescracht.
Seidiger Streicherklang und dumpfe Beats.
Texte werden rezitiert. Wie erwartet geht es um Lust, Frust und Gewalt. Auch sexistische Anspielungen und Obzönitäten werden genauso wenig ausgespart wie platte Witze. "Ich war da mal an einem See, nein, auf einer Wiese, äh, in einem Haus, ach ne, unter einer Frau ...". So in diesem Sinne.
Eine asiatische Schönheit auf halsbrecherischen Highheels hat ihren Auftritt. Im Hintergrund der Bühne macht sie einen Schlag auf einen großen Gong, schiebt dann den Gong an die Vorderseite der Bühne. Die Erwartung ist groß. Und, es geschieht nichts. Mit Gong geht sie seitlich ab. Aha.


Die Schauspieler, Tänzer und Musiker agieren engagiert und professionell. Ihre Kunst ist über jeden Zweifel erhaben. Doch die Szenen sind wie zufällig aneinandergereiht, ohne erkennbare Geschichte. Alles wirkt irgendwie blutleer, wenig mitreißend.
So viel Potenzial, da wäre, ohne die Darsteller schauspielerisch zu überfordern, Großes drin gewesen. Schade.

Nur vereinzelt Regung bei den Zuschauern, etwas Gelächter und Szenenapplaus. Oh wie exotisch, Schickimicki erlebt Subkultur. Das Gros der Zuschauer wohnt dem Geschehen teilnahmslos mit unbewegten Gesichtern bei. Ich auch.

Doch alles bestens.
Ich hatte Spaß.
Im Nachhinein.
Beim Schreiben dieser "Kritik".
Daher: Gerne mal wieder.

1 Kommentar:

Marie hat gesagt…

Hat mir sehr gefallen deine ehrliche Kritik zu lesen Didi. Und ich freue mich, dass es zumindest was zu sagen gab.