26 Februar 2007

Verblasen

Ich steh an der Ampel auf der rechten Spur, neben mir auf der linken Spur hält ein Opel Corsa, am Lenkrad ein junger Mann. Mit kräftigen Tritten aufs Gaspedal bringt er seinen Motor auf Touren. Ich lege den ersten Gang ein und rücke ein wenig dichter ran an die breite weiße Haltemarkierung, denn gleich muss grün kommen. Da, kurz gelb, dann grün und fast gleichzeitig fahren wir mehr als zügig los.

Das kann doch wohl nicht wahr sein, schon nach Sekundenbruchteilen und einigen Metern Fahrstrecke hat der Corsa einen Vorsprung von einer halben Wagenlänge!
Doch jetzt machen sich die PS meines Golf GT bezahlt. Gierig dreht der Motor mit dumpfen Grollen - unterstützt durch den leise sirrenden Kompressor - hoch, die weichen 225ger Winterreifen krallen sich in den Asphalt, die ESP-Anzeige blinkt einige Male, ab 3.500 Umdrehungen sorgt dann der Turbolader für den nötigen Schub und mit der Gewalt von 170 entfesselten PS zieht mein Wagen am Corsa vorbei.

Die Fahrbahn verjüngt sich auf eine Spur und der Corsa muss sich - so wie es sich gehört - hinter mir einordnen.
Geil!

Bei 7.200 Umdrehungen schalte ich gleich in den dritten Gang und lass den Wagen rollen. Der Corsa ist derweil nur noch als kleiner Punkt im Rückspiegel erkennbar.

Mich ergreift eine bis dato unbekannte Freude, ja, den hab ich ordentlich verblasen, dem hab ich gezeigt wo der Hammer hängt!

Blitz!!!

Eine Radarfalle, nur wenige Meter vor dem Beginn des Tempo-70-Bereiches!

Der Corsa hat mittlerweile aufgeholt, fährt dicht hinter mir und als ich in den Rückspiegel blicke, meine ich in dem Gesicht des Fahrers ein höhnisches Grinsen zu erkennen.

22 Februar 2007

Dietrich, oder so.

Vor geraumer Zeit konnte ich mal einem gewissen Dr. X bei einer Frage helfen, die ihn schon längere Zeit schwer quälte.

Seine Frage war:
Dein Vorname ist Dietrich, ich sage zu Dir aber immer Dieter. Wie wirst Du nun eigentlich meistens genannt, Dietrich oder Dieter?


Meine Antwort war sinngemäß folgende:
Ich werde in verschiedenster Weise angeredet.

Meine Frau sagt Dietrich oder Dieter, meine Nichten M. und L. sagen immer, sowie G. und L. sagen gelegentlich zu mir Didi, ein Teil meiner Arbeitskollegen sagt Herr Köhrsen, Köhrsen, Köhrsi oder Köhrschen, ein anderer Teil Dietrich oder Dieter, mein alter Chef hatte ein Sonderstellung und durfte zu mir "Du, Herr Köhrsen" sagen, Studenten, die bei mir auf der Arbeit ein Praktikum machten, redeten mich mit Herr Köhrsen, Dr. Köhrsen und sogar mit Professor an.

Ich habe zwar nur ein Gesicht, aber viele Namen und ich hatte bis jetzt noch niemals Anlass jemanden zu bitten, eine bestimmte Anrede zu unterlassen, ich bin da relativ tolerant.

Wie auch immer, am häufigsten werde ich Dietrich oder Dieter genannt, dies etwa 1/2 zu 1/2.

Eine neue Variante ist, dass mich vor einigen Tagen eine Arbeitskollegin, nachdem ich ihr bei einem lächerlichen Problem mit ihrem Computer geholfen hatte, vor lauter Begeisterung mit "Köhrsen, Du bist ein Computergott" bedachte.
Ich hatte sie sogleich darauf hingewiesen, dass eine solche Ansprache nicht zeitgemäß und zudem viel zu plump sei, besser in die heutige Zeit würde vielmehr passen "Köhrsen ich will ein Kind von Dir", was ihr aber dann doch zu weit ging und es lieber vorzog mich weiterhin mit ihrem gebräuchlichen "Köhrsi" anzusprechen.

Alles klar?



Seine Reaktion auf meine erhellende Antwort war dieses Foto.

16 Februar 2007

Zwei Legenden

Vielleicht erinnert sich noch jemand daran, als am 2. und 3.10.2006 in den Nachrichten von einem geheimnisvollen UFO berichtet wurde, das etwa einen Tag lang mehrmals die Erde umkreiste und dann ebenso plötzlich verschwand wie es erschien.

Jetzt konnte das Geheimnis durch die Indiskretition eines Insiders gelüftet werden. Es handelt sich offensichtlich um meinen Arbeitskollegen U. F., der trotz seines jungen Alters schon eine Legende und in der Szene als "The Godfather Of Surfing" bekannt ist.

Das Foto zeigt ihn am 2.10.2006, um 17:41 Uhr, beim Startvorgang zu seinem denkwürdigen Erstflug um die Erde, und zwar im Südwesten der Insel Fehmarn im Bereich von Gold; im Hintergrund der Flügger Leuchtturm.

Man beachte die innovative Hightech-Ausrüstung, die da bestand aus einem ultraleichten Raumanzug, einem Surfboard mit Keramikbeschichtung, das zugleich als Hitzeschild beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre fungierte und einem Sonnensegel, mit dem der Surfonaut im Orbit den Strahlungsdruck des Sonnenlichts zum Vortrieb seines Surfboards nutzte.

Die Aufnahme von U. F. in die "Hall Of Fame" des Surfsports wird von der Fachwelt in Kürze erwartet.

Desweiteren ist zu erwarten, dass Fehmarn, ohnehin schon ein beliebtes Surfrevier, jetzt wohl zum einem internationalen Surf-Mekka mutiert.

Die Fehmarner Bürger werden das mit Gleichmut zu ertragen wissen, denn Wallfahrtsort ist Fehmarn schon seit einigen Jahrzehnten, nämlich für Fans der Rocklegende Jimi Hendrix, wie das nachfolgende Foto beweist.

http://de.wikipedia.org/wiki/Love-and-Peace-Festival

Fehmarn, immer für eine Überraschung gut!

08 Februar 2007

die platte

"tach" sach ich "ich brauch ne externe festplatte, ne große."
"ham wir" sacht der verkäufer "200 gb, machen wir in gehäuse."

"gut" sach ich "ich mein, habt ihr nich auch ne große festplatte?"
"klar" sacht er "300 gb mit firewire, geht ab wie sau."

"ach" sach ich "schnell ist gut, aber wie issis mit etwas größer."
"null problemo" sacht er "da ham wir eine mit 400 gb, sehr günstig."

"ne 400ter hab ich schon" sach ich "die ist fast voll."
"dann nehm doch ne 500ter" sacht er.

"ja ja" sach ich "bloß mit 100 mehr, das hält doch nicht lange vor, ist doch auch bald voll."
"stimmt" sacht er "dann nehm doch ne größere."

"gibs das denn?" sach ich.
"LOGO" sacht er "ne 750ger."

"klasse" sach ich "warum denn nicht gleich ne platte mit 1 tb?"
"ne" sacht er "750 ist das größte, aber die ist viel zu teuer, dann nehm doch zwei mit 500."

"ne" sach ich "ich will ja nur eine platte, dann nehm ich die mit 750 gb."
"is gut" sacht er "dauert aber, ich sach dann bescheid."

"tschüs" sach ich.
"bis denne" sacht er.

seit zwei wochen warte ich nun ungeduldig darauf, dass die platte endlich kommt, langsam wird es nämlich eng.

05 Februar 2007

Was ist das?

Des Rätsels Lösung:
Das ist das Globushaus beim Schloss Gottorf in Schleswig, das Ziel unseres Ausflugs am letzten Sonntag.

Foto: M.K.

Die Antworten der anonymen Rater sind also nah dran, alle Achtung, wogegen der Kulturhistoriker logischerweise nur einen flüchtigen Blick auf das Foto hätte werfen brauchen, um dann mit einem milden Lächeln die Antwort sogleich zu verkünden.

Uns fehlte natürlich auf diesem Sektor bis zu diesem Tage jedwede Kenntnis, umsomehr waren wir von dem im Bauhausstil gestyltem Gebäude und seinem Interieur, sowie von der kulturhistorischen Geschichte des Ganzen schwer beeindruckt.

Geradezu überwältigt waren wir aber von dem abverlangten Eintrittspreis von 13 Euro für eine einstündige Führung. Ganz klar, dass diese dann einfach klasse sein musste, und es wurde tatsächlich mächtig etwas geboten.

So sind die Räumlichkeiten hell und freundlich, zudem gut geheizt. Letzteres war geradezu lebensrettend, mussten wir uns doch fast eine Stunde mit zu leichter Bekleidung bei gefühlten minus 5 Grad in dem umliegenden Barockgarten ergehen, weil wir den Beginn der gerade laufenden Führung um einige wenige Minuten verpasst hatten.

Der Teilnehmerkreis ist beschränkt auf etwa 25 Personen, was einem ein Gefühl von Exklusivität vermittelt.

Einlass wird gewährt von einer männlichen Respektsperson im dunklen Zwirn.

Broschüren und farbige Eintrittskarten aus festem Karton – erhältlich auch am Schlossgebäude, möglichst mit rechtzeitiger Voranmeldung - erwirbt man bei einer im dunklen Hosennanzug gekleideten, etwas klein geratenen aber resoluten Dame.

Die eigentliche Führung gestaltet ein ebenso freundlicher wie kompetender Herr, der einen besonderen Draht zu Kindern hat "Ihr seid sicherlich schon ganz aufgeregt" und "Eure Fragen kann ich Euch später beantworten", auch versteht er es mit dem einen oder anderen Bonmot die Besucher zu erheitern.

Bevor die Führung allerdings beginnt, sind Hut, Mantel und Rucksack an der Garderobe zu deponieren. Zweckmäßig ist ein Gang auf die Toilette, wobei man bei dieser Gelegenheit noch den Scheitel richten und sich etwas frisch machen kann.

Für die Besichtigung des Globus werden die Besucher dann in drei Gruppen eingeteilt, die rote, gelbe und blaue, in Kunststoff verpackte Zettelchen erhalten, welche von der genannten Dame dann beim Betreten des Globus wieder eingezogen werden.

Aber sie macht nicht nur das, sondern sie trägt auch noch dafür Sorge, dass kein Besucher den Globus mit Schal oder dergleichen entert, denn der könnte sich ja damit im wild rotierenden Globus (eine Umdrehung dauert acht Minuten) irgendwo verheddern und strangulieren. Gleiches gilt selbstverständlich auch für Fotoapparate, wenn sie einen Tragegurt haben. Außerdem ist das Blitzen wegen der Enge und der damit einhergehenden Blendgefahr verboten und ohne Blitzlicht kann wegen zu wenig Licht ohnehin nicht fotografiert werden, also macht die Mitführung eines Fotoapparates im Globus sowieso keinen Sinn.
Das haben dann alle natürlich sofort eingesehen.

So, ich denke, dass ich das Wesentliche von unserem Besuch des Globushauses berichtet habe.

Wer also auch mal eine bewegende, unvergessliche Stunde erleben will, der macht sich auf nach Schleswig.