28 November 2006

Die Dorfdiva


Den Busen raus, den Bauch rein, beide Daumen gen Himmel und die ballett- und jogginggestählten Beine fest auf dem Boden der Tatsachen verankert, so posiert die Dorfdiva aus der Landeshauptstadt Kiel, wegen fehlender Toilette ein wenig kamerascheu, beim familiären Photoshooting in ihrem neuen Domizil im Stadtteil Eppendorf der Freien und Hansestadt Hamburg, dem Tor zur Welt.
Hier will sie sich den letzten Schliff verpassen lassen, um am Ende eines langen Ausbildungsweges zur Weltstadtdiva zu avancieren.

Was für eine formidable Karriere!

Dies ist ein repräsentatives Beispiel dafür, dass sich die jungen Leute heutzutage eben nicht halbherzig und unstet in vielerlei Aktivitäten verzetteln und sich auch nicht vor intensiven Bemühungen scheuen, die erst in ferner Zukunft etwas bringen.
Manch ein Pädagoge meint allerdings, genau entgegengesetzte Erfahrungen gemacht zu haben.

26 November 2006

Malle Mall

Hansestadt Hamburgs größte innerstädtische Mall, die Europa Passage, verbindet europäisches Flair mit Lifestyle, Savoir-vivre und Dolce Vita auf fünf Ebenen unter einem Dach.

Die Europa Passage, ein weiterer Konsumtempel den wir brauchen, um unser Einkommen, das sich zunehmend reziprok zu dem der Herren Ackermann und Esser entwickelt, zu verprassen.

Konsumschwache Hartz IV-Empfänger werden von einem bewegungsfaulen Quergestreiften und zwei blau angestrichenen Budnikowsky-Werbe-Clowns bei Laune gehalten.

18 Grad im Schatten


Am helllichten Tag zur Mittagszeit wird im bunten Scheine der Weihnachtsillumination bei leichtem Regen und gefühlten 18 Grad im Schatten Glühwein mit Schuß getrunken, auf der Rückseite des Geschehens sammeln sich die obligaten Müllberge.

Rathausmarkt Hamburg am 25.11.2006!

22 November 2006

Vorne ist hinten

Ich steh bei Sky an der Fleischtheke, um mir noch schnell etwas Belag für meine Brötchen zu kaufen. Die Fleischfachverkäuferin nimmt meine Wünsche entgegen und beginnt, Schichtsalat und Meistercreme abzuwiegen.
Währenddessen entsteht hinter mir sehr schnell eine Schlange von sechs weiteren Kunden, was die Verkäuferin auch sogleich bemerkt, deshalb das Wiegen und Verpacken unterbricht, die Tür zur den hinteren Räumlichkeiten öffnet und dort hineinruft:

"Kannst Du mal nach hinten kommen?"

Seltsamerweise ist dem Kollegen klar was gemeint ist, denn er kommt von hinten nach vorne zur Fleischtheke, um seine Kollegin bei der Bedienung der Kunden zu unterstützen.

Also, hinten ist vorne und vorne ist hinten, je nachdem wie man das sehen will, so einfach ist das.

Nur ein Baum

Da steht er jahraus, jahrein, mit seltsam verrenktem Astwerk, als wüsste er nicht, in welche Richtung er wachsen soll. An einer vielbefahrenen Straße trotzt er den Abgasen, sowie Wind und Wetter, im Sommer gibt er uneigennützig Schutz vor Sonne und Regen.

So nebenher betreibt er Photosynthese, nimmt Kohlendioxid aus der Luft auf und gibt Sauerstoff an die Atmosphäre ab, ein farb-, geschmack- und geruchloses Gas (wieso dann eigentlich "sauer"?), ohne das kein Leben für die Tiere und den Menschen auf der Erde möglich wäre.

Das alles macht er, wenig beachtet von den Fußgängern und den Insassen in den eilig vorbeifahrenden Autos.

Er ist halt nur ein Baum.

Unbeirrt

Stillgestanden, die Augen, links!

Und, schon sind alle Schilder wohlgeordnet nach Süden ausgerichtet, nur eines nicht, das weist unbeirrt in die entgegengesetzte Richtung, natürlich das von der Psychiatrischen Tagesklinik.

Etwas anderes konnte man auch nicht erwarten.

17 November 2006

Pass bloß auf, ...


... sagte ich so für mich, als ich am gestrigen Tage mit forschem Schritt über den Hundestrand bei Kahlenberg wandelte.

Und, schon war es passiert!

Denn da war es, das schauderhafte Gefühl, wenn man – wie von einer finsteren Macht gesteuert - in die Hinterlassenschaft eines Vierbeiners latscht, den der Mensch seinen besten Freund nennt.

Diesmal hatte ich einen extraordinären Haufen erwischt, einen, wie ihn nur Deutsche Doggen in der Lage sind zu produzieren, nämlich besonders mächtig und von extra weicher Konsistenz, das Endprodukt einer Hundemahlzeit aus schätzungsweise drei Pfund Pansen, zwei Pfund Trockenfutter Bozita Junior und einem Pfund Kroschies Dog Chips als Leckerlies.
Mächtigkeit und Konsistenz spürte ich deutlich, trotz der dicken Profilsohle meines Timberland-Stiefels.

Wut stieg in mir hoch, und gern hätte ich dem Hundehalter die Meinung gegeigt. Doch so schnell wie sie kam, so schnell verflüchtigte sich meine Wut wieder, als ich meinen Fuß hob, um die Sauerei zu begutachten.

Da war sie zwar wie erwartet, die Sch..ße, jedoch zu meiner großen Überraschung und Freude fein säuberlich in einer mit einem akkuraten Knoten verschlossenen Kunststofftüte abgefüllt.
Das sollte Schule machen, denn so ist ein Tritt in einen Haufen Hundekot geradezu ein Vergnügen, vorausgesetzt, die Tüte weist die nötige Stabilität auf.

Gerne werde ich mal wieder den Hundestrand bei Kahlenberg zu einem ausgedehnten Bummel aufsuchen.

13 November 2006

Alles wie immer

Zur letzten Aufführung unseres Jugentheaterstücks "Die Mutprobe" am 10.11. in der Immanuel-Kant-Schule in Neumünster, da mussten wir noch hin, meine holde Gattin Birgit und meine Wenigkeit.

Alles war wie immer suuuuupeeer!

Die Bühne war ein wenig niedrig, der Platz für die Rampen ein wenig beengt, ebenso, wie gewohnt, der Platz für die Band.

Der Saal war nur zu Dreiviertel gefüllt, wahrscheinlich weil zur Zeit der Aufführung "Das Sandmännchen" im Fersehen lief.

Die Schauspieler waren nicht ganz textsicher, aber sehr kreativ, da wo Text mit viel Ernst zu rezitieren war, wurde ob des plötzlich abhanden gekommenen Textes gelacht, oder noch besser, die Szene mit dem Satz beendet: "Ich geh jetzt nach Hause, hab sowieso den Text vergessen", und, es passte sogar, irgendwie.

Die überwiegend jugendlichen Zuschauer hatte es nicht gestört, wenn sie es denn überhaupt bemerkten, waren sie doch häufig anderweitig beschäftigt, z.B. mit ihrem Handy oder mit ihrem Nachbarn, mit dem laut und vernehmlich die neuesten Neuigkeiten ausgetauscht wurden. Als Birgit dem begleitenden Leerkörper Zeichen gab, dass die Schüler die Aufführung stören würden, machte dieser in Richtung der Schüler nur: "Pscht, pscht!", natürlich ohne den geringsten Erfolg. In seinem Blick zurück zu Birgit war Hilflosigkeit und die Aussage zu lesen: "Kinder! Was soll man machen?"

Desweiteren waren einige ziemlich junge Mädels fortwährend am Kichern, Flüstern und Gestikulieren, hatten sie sich doch einen der männlichen Darsteller, bzw. eines der Bandmitglieder ausgeguckt (Bruder Lothar war es wohl nicht, denk ich mal), den sie einfach "süß" fanden und anhimmelten.

Also, alles wie immer, eine gelungene Aufführung mit zufriedenen Zuschauern, die es zum Schluß leider versäumten laut und intensiv genug zu applaudieren, womit sie sich um eine Zugabe brachten. Leider, denn gerne hätte ich noch als krönenden Abschluß der Aufführungsserie "Luder Bruder" gehört.
Das hab ich dann auf der Heimfahrt nachgeholt.

Und was war sonst noch?
Ach ja, etwas was nicht unerwähnt bleiben darf, denn wieder beehrten einige Ehemalige eine unserer Aufführungen mit ihrer Anwesenheit, und zwar waren das diesmal Arne Danklefsen, Arno Köhrsen, Swenja Kardel, Moritz Eggert, Hendrika Entzian und natürlich Ingo Mitzloff, sowie ???
Find ich gut, zeigt dies doch, wie stark sie sich auch nach vielen Jahren noch mit dem jungen theater spectaculum e.V. verbunden fühlen!

09 November 2006

Die "schöne Ecke"


Sie ist sehr nützlich, jeder braucht sie und jeder hat wenigstens eine davon in seiner Wohnung, man ist sich dessen allerdings nur selten bewußt.

Vor Jahren besichtigten wir die Studentenbude unserer Nichte Marie, der Einzug war gerade erst erfolgt, das Mobiliar hatte seinen Platz noch nicht gefunden. Eine ideale Situation für Maries Mutter, sie war in ihrem Element, denn die Anordnung von Möbeln in Wohnungen anderer ist ein Hobby von ihr.
Mutter hatte viele gute Ideen, eifrig wurden die Möbel hin-und hergerückt, das Ergebnis zwischendurch begutachtet, kleine Korrekturen vorgenommen, ja, so passt es, das wars.
Die versammelte Mannschaft ließ sich zufrieden auf den nächstbesten Sitzgelegenheiten nieder und machte es sich mit einem Gläschen Wein gemütlich.
Ich hatte dem Geschehen bis zu diesem Zeitpunkt ohne großes Interesse beigewohnt, gelegentlich auch mit angepackt, als mich ein unterschwelliges Unbehagen ergriff und mir unkontrolliert die Bemerkung entfuhr: "Marie, Du hast ja gar keine schöne Ecke!"
Bevor die erkennbar verwirrten Anwesenden nachfragen konnten, hatte ich das Holzregal etwas verschoben und in die nun freie Zimmerecke das Bügelbrett gestellt, voila!

Und das ist sie, die "schöne Ecke", sehr praktisch und insbesondere in kleinen Wohnungen unverzichtbar zur Unterbringung von Trittleiter, Papierkorb, Dia-Leinwand, Sonnenschirm, Klappstuhl u.ä.

Unsere Nichten Marie und Lisa haben seither den Gedanken an die "schöne Ecke" tief verinnerlicht. Schon einige Male erhielten wir Rückmeldung, dass sie bei ihren zahlreichen Wohnungswechseln während der Studienzeit diesem extraordinären Platz immer besondere Aufmerksamkeit schenkten.

So haben sie nicht nur auf den Universitäten, sondern auch mal von ihrem Onkel Didi etwas fürs Leben gelernt, was letztendlich auch mir etwas gebracht hat, nämlich Stolz und Zufriedenheit.

06 November 2006

Werkstattatmosphäre

Gunter hatte die Vorstellung, den Info-Text zu "Faust" auf der Webseite von spectaculum mit einigen Fotos, die Werkstattatmosphäre vermitteln, aufzulockern. Gute Idee, denn längere Texte auf Webseiten, und jener ist ein solcher, sind selbst für begeisterte Leser eine Herausforderung, von anderen werden sie sogar schlicht ignoriert, wenn man sie nicht mit einigen Fotos garniert.

Gesagt, getan! Als sich der Fotograf an der Location einfand, war die Szene schnell gestellt, mit zwei Darstellerinnen (Edith Hamer und Louisa Kilian) und Sören Sönksen am Piano.

Die Aktion nahm ihren Lauf, der Fotograf schoß seine Fotos von den agierenden Personen, doch Moment mal, da fehlte doch was!
Also, zunächst schien auf den "ersten Blick" alles völlig normal, Sören entlockte mit konzentriertem Blick auf die Partitur dem Piano wohlklingende Töne, Edith und Louisa unterstützten ihre Darbietung mit den von Vokalisten bekannten Gesten, doch, jetzt bemerkte ich es, sie sangen zwar, zu hören war jedoch nichts, zumindest ich habe nichts gehört!
Egal, bei Fotos fällt so etwas ja nicht auf, aber ein wenig verwirrend war das für mich schon.

Was nun wirklich war, d.h., ob sich ihr Gesang auf reine Lippenbewegungen beschränkte oder nicht, hat sich mir nicht endgültig erschlossen, womöglich ist dies ja geübte Praxis oder eine besondere Technik bei klassischer Musik, mit einer ganz einfachen, naheliegenden Erklärung.

Ich hätte nachfragen können, doch traute ich mich nicht, weil ich befürchtete, dann als kulturloser Depp dazustehen.
Diese, meine Unkenntnis quält mich die letzten Tage in zunehmendem Maße und ich habe mich schon in die wildesten Vermutungen verstiegen:

War ich Opfer einer Sinnestäuschung oder einer partiellen vorübergehenden Hörstörung?
Gaben die Sängerinnen Töne von sich, die jenseits des hörbaren Bereichs, sprich im Bereich des Ultraschalls lagen?
Waren die Sängerinnen stimmlich indisponiert?
Gab es zu der Pianobegleitung schlicht gar kein Lied?
Handelte es sich um eine spezielle Art des Playbacks?
Was bloß war hier der Fall?

Viele Fragen und keine Antworten, ich bin der Verzweiflung nahe!